Antifaschistische Gruppe Südthüringen
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Ohrdruf: 300 Menschen auf Ostermarsch / Mehr als 60 im Antifa-Block

Ca. 300 Menschen liefen trotz Ostersonntag und eisigen Temperaturen beim Ostermarsch am 23. März 2008 durch Ohrdruf mit. Gut 60 von ihnen liefen im linksradikalen Antifa-Block und brachen zumindest temporär mit der national-befreiten Zone Ohrdruf. Ca. 40 Neonazis versuchten vergeblich den Ostermarsch zu stören, sich einzureihen bzw. ihn zu verhindern.

Ostermarsch durch Ohrdruf

Ein breites Bündnis aus Friedensinitiativen, Gewerkschaften, Parteien und Jugendgruppen rief zum diesjährigen Ostermarsch in Ohrdruf auf. Am Rande von Ohrdruf existiert ein Truppenübungsplatz, der von der Bundeswehr genutzt wird. Zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland fungierte der Truppenübungsplatz als Zwangsarbeitslager. Intention des Bündnisses ist es die militärische Nutzung des Platzes zu unterbinden, sich gegen Militarisierung und Kriegspolitik stark zu machen. Antifaschistische Gruppen aus Südthüringen, Gotha und Bad Langensalza schlossen sich den Forderungen des Bündnisses an und setzten den Fokus im Browntown Ohrdruf auf die furchtbaren rechten Alltagszustände. Mehr Infos entnehmt ihr dem Aufruf der antifaschistischen Gruppen (LINK).

Ablauf

Trotz eisigem Winterwetter und Ostersonntag beteiligten sich zeitweise mehr als 300 Menschen am Ostermarsch. Hinter den bürgerlichen Demonstrant_innen aus Parteien, Jugendgruppen, Gewerkschaften und Friedensinitiativen, lief ein linksradikaler Antifa-Block, in welchem, im Laufe der Demo, die für einige Antifas wohl zu früh begann, mehr als 60 Antifaschist_innen liefen.
Kundgebungen gab es am Bahnhof, an einem durch Neonazis geschundenen Gedenkstein für die Ermordeten im Ohrdrufer Zwangsarbeitslager, sowie am Markt, wo ein Redebeitrag der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen verlesen wurde, der am Aufruf des Antifa-Bündnisses angelehnt war (LINK). Die Abschlusskundgebung fand am Truppenübungsplatz statt und wurde gegen 15:30 Uhr beendet.

Nazis agitieren gegen den Ostermarsch

Bereits im Vorfeld mobilisierten Südthüringer Faschist_innen der so genannten „Freien Kräfte Südthüringen“ (FKST) gegen den Ostermarsch und verteilten im Gothaer Landkreis Flyer, auf denen sie gegen die Initiator_innen hetzten. Am Vortag der Demonstration wurde einem Antifaschist aus dem Gothaer Landkreis von einem Neonazi über Telefon mit Mord gedroht. (LINK)
Zum Ende der Auftaktkundgebung, als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte, tauchten 10-15 Neonazis aus dem Spektrum der FKST am Rande auf und ließen sich von der Polizei behandeln. Danach sah und hörte man nichts mehr von den Neonazis, die großmäulig ihr massives Auftreten gegen den Ostermarsch ankündigten, um ihren Browntown zu verteidigen.
Gerüchten zu Folge haben die Neonazis eine spontane Demonstration angemelden. Ca. 40 Neonazis, ein Großteil von ihnen Ohrdrufer_innen, sollen sich an jenem Tag in Ohrdruf bewegt haben. Inwiefern es ihnen gelungen ist eigene Aktionen durchzuführen bzw. Menschen anzugreifen, die sich am Ostermarsch beteiligten ist noch unklar.
Zur Abschlusskundgebung versuchten ca. 10-15 Ohrdrufer Neonazis vorzudringen. Sie wurden von der Polizei abgewiesen und trollten sich ohne Protest wieder.


Fotos
































Presse:

Freies Wort - 23.03.08
Ohrdruf
300 Teilnehmer bei Marsch gegen Truppenübungsplatz

Ohrdruf/Gotha - Etwa 300 Menschen haben sich nach Angaben der Polizei am Sonntag an einem Ostermarsch zum Truppenübungsplatz Ohrdruf im Kreis Gotha beteiligt. Die Bundeswehr nutze das Gelände auch zur Ausbildung von Einheiten für Auslandeseinsätze, sagte die Bundestagsabgeordnete der Fraktion Die Linke, Nele Hirsch. Die Demonstranten verlangten bei der Aktion ein Stopp der Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Schließung des Übungsplatzes. Das weitläufige Areal könnte in einen Energiepark mit Windkraft- und Solaranlagen umgewandelt werden, um Arbeitsplätze zu sichern, sagte die Bundestagsabgeordnete.

Die Aktion wurde unter anderem von der Partei die Linke, dem Verein Thüringer Friedenskoordination und dem DGB unterstützt. Im Vorfeld kam es zu Irritationen zwischen dem DGB und der Gewerkschaft ver.di, die auch Bundeswehrangehörige vertritt. Nach Ansicht des DGB haben Ostermärsche weiterhin ihre Bedeutung. Es gehe darum, für den Vorrang ziviler Konfliktlösungen vor militärischen Operationen zu demonstrieren. «Die Bundeswehr darf keine weltweit agierende Interventionsarmee werden», erklärte der DGB in Erfurt. red/dpa

MDR - 24.03.08
Ostermarsch in Ohrdruf
Demonstranten fordern Schließung von Truppenübungsplatz

Etwa 300 Menschen haben sich am Sonntag an einem Ostermarsch für Frieden zum Truppenübungsplatz Ohrdruf beteiligt. Die Bundeswehr nutze das Gelände auch zur Ausbildung von Einheiten für Auslandseinsätze, sagte die Bundestagsabgeordnete und Mitorganisatorin des Marsches, Nele Hirsch (Die Linke). Die Demonstranten verlangten bei der Aktion einen Stopp der Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Schließung des Übungsplatzes. Das weitläufige Areal könnte in einen Energiepark mit Windkraft- und Solaranlagen umgewandelt werden, um Arbeitsplätze zu sichern, sagte Hirsch.

Der Marsch wurde auch vom Verein Thüringer Friedenskoordination und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Thüringen unterstützt. Die Bundeswehr dürfe keine weltweit agierende Interventionsarmee werden, erklärte der DGB.

Wie MDR 1 RADIO THÜRINGEN berichtete, hinderte die Polizei eine Gruppe von Männern, von denen einige vermummt waren, an der Teilnahme am Marsch. Sie ging davon aus, dass die Gruppe die Aktion stören wollte.

Auf der Homepage des MDR findet ihr auch einen Radiobeitrag dazu: http://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/5369530.html

Thüringer Landeszeitung - 24.03.08
Kriege als Sackgassen

Ohrdruf. (tlz) Für ein Ende des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan und eine friedliche Nutzung des Ohrdrufer Truppenübungsplatzes demonstrierten am Ostersonntag etwa 320 Thüringer in Ohrdruf. Nach einem Ostermarsch in den 1990er Jahren war Ohrdruf mit seinem mehr als 100 Jahre alten Truppenübungsplatz zum zweiten Mal Schauplatz der landesweiten Hauptveranstaltung der Ostermärsche.

Und: Auch zur zentralen Forderung der bundesweiten Ostermärsche, nämlich dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, hat Ohrdruf Bezug. Nach Angaben der Linkspartei trainierten Soldaten der Bundeswehrspezialeinheit KSK auf dem Ohrdrufer Areal. "Hier wird geübt, was in anderen Teilen der Welt blutige Wirklichkeit ist", so der Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrke. Er prangerte an: Der seit fünf Jahren andauernde Irak-Krieg hat inzwischen 600 000 Menschenleben gefordert, 100 000 Tote gab es seit Beginn des Afghanistan-Kriegs.

Keiner dieser Kriege sei militärisch zu gewinnen. In einer Sackgasse mache es keinen Sinn vorzupreschen. Gehrke forderte, wie schon seine Gotha-Ilmenauer Fraktionskollegin Nele Hirsch, den Ohrdrufer Truppenübungsplatz friedlich und zivil zu nutzen. Er verband seine Ansprache auch gleich mit einer Absage an die NPD und ihr nahe stehende Gruppierungen. "Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun", so Gehrke angesichts bei anderen Veranstaltungen beobachteten "Unterwanderungsversuche". Auch in Ohrdruf zeigte sich das rechte Spektrum. Etwa 40 Jugendliche versammelten sich am Bahnhof, dem Ausgangspunkt des Ostermarschs. Ein größeres Polizeiaufgebot isolierte die Rechten von Ostermarschierern und Antifa. Die Rechten veranstalteten als Spontandemo am Bahnhof eine Mahnwache. Ein Aufeinandertreffen mit den Teilnehmern des Ostermarsches verhinderte die Polizei.

"Frieden ist eine zerbrechliche Pflanze, die immer wieder von Soldatenstiefeln zertreten wird", mahnte Volker Pöschel vom Gothaer Friedenskreis. Gewerkschaften und Friedenskreis unterstützten den Ostermarsch. So erinnerte Henry Köster, stellvertretend für den Thüringer DGB-Chef Steffen Lemme, daran, dass derzeit in mehr als 40 Ländern der Welt kriegerische Auseinandersetzungen toben. Und: Die Leidtragenden sind die Zivilbevölkerungen. Mehr als 90 Prozent der Opfer sind keine Soldaten. Köster: "Krieg ist das, was uns die Politik anbietet, wenn sie keine Lösungen hat."

Neben Gewerkschaftern, Kirchen und Friedensgruppen bestimmte eindeutig die Linke das Geschehen beim Thüringer Ostermarsch, der teils an eine reine Veranstaltung der Partei "Die Linke" erinnert. Ein politisches Monopol darauf erhob die Landtagsabgeordnete Ina Leukefeld: "Wir bewahren das Vermächtnis der Antifaschisten." Sie erinnerte: Die Bundestagsfraktion der Linken sei die einzige, die den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr ablehne.

Neues Deutschland - 25.03.08
Ostermarsch 2008
Kein Frieden in »Brown Town«
Ohrdruf: 300 Menschen forderten zivile Nutzung des Truppenübungsplatzes
Von Anke Engelmann, Ohrdruf

Im thüringischen Ohrdruf versammelten sich am Sonntag etwa 300 Teilnehmer zum Ostermarsch. Sie forderten eine zivile Nutzung für den Truppenübungsplatz. Auch Thüringer Antifa-Gruppen nahmen teil. Gleichzeitig versammelten sich aber auch rund 30 rechte Jugendliche zu einer Gegendemonstration.

Ostersonntag in dem verschneiten Thüringer Städtchen Ohrdruf: Am Bahnhof treffen die letzten Teilnehmer des Ostermarsches ein. Etwa 300 Personen haben sich versammelt, junge, alte, bunte Peace-Fahnen sind ebenso zu sehen wie ein Transparent des DGB, von solid, der LINKEN und der DKP. Es gibt einen schwarzen Antifa-Block. Bunte Clowns machen Seifenblasen. Und, von Polizisten abgeschirmt, ein Grüppchen dunkel gekleideter Jugendlicher mit Kapuzenshirts und Sonnenbrillen: Die rechte Szene von Ohrdruf zeigt Präsenz.

Keine Kampfeinsätze der Bundeswehr im Ausland, Abrüstung statt Sozialabbau, lauten Forderungen des Ostermarsch-Bündnisses. »Wir wollen friedenspolitische Anliegen vor Ort konkret machen«, erläutert Nele Hirsch, Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion und eine der Organisatorinnen. Deshalb: Weg mit dem Truppenübungsplatz in Ohrdruf. Bis zu 12 000 Soldaten werden hier jährlich für Auslandseinsätze ausgebildet, hat eine Kleine Anfrage der Linksfraktion ergeben. Für eine zivile Nutzung spricht zudem die Geschichte des Platzes. Im ersten Weltkrieg ein Kriegsgefangenenlager, befand sich zu Nazi-Zeiten auf dem Gelände eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald. Tausende Zwangsarbeiter verloren hier ihr Leben.

Die Ohrdrufer beäugen den Demo-Zug misstrauisch. Inzwischen, bestätigt der Einsatzleiter der Polizei, hat sich eine Spontandemo der Rechten in Bewegung gesetzt. »Die Nazis wollen ihre ›national befreite Zone‹ nicht aufgeben«, erläutert ein Sprecher der Antifa Südthüringen. Ohrdruf sei als »Brown Town«, als braune Stadt bekannt. Es gebe »massenhaft braune Schlägerjugend« und »unglaublich brutale« Angriffe und Morddrohungen gegen Linke. Auf Gegenwehr treffen die Nazis kaum. »Vielen ist das zu gefährlich«, sagt der Antifa-Sprecher. Ohrdruf sei ein Schwerpunkt der rechten Szene, bestätigt auch Polizeihauptkommissar Axel Kroch.

Am Denkmal für die Ermordeten des Konzentrationslagers Buchenwald macht Wolfgang Gehrcke, für die Linksfraktion im Bundestag, den Ostermarschierern Mut. Er verweist auf das Brandenburger Bombodrom, das tatsächlich vor dem Aus stehen könnte. Die Bundeswehr müsse schnell raus aus Afghanistan, fordert Gehrcke und sagt: »Wenn man in der Sackgasse ist, hat es keinen Sinn, nach vorn zu rennen«.

Am Truppenübungsplatz. Seifenblasen hätten jetzt im dichten Schneetreiben keine Chance. Gabi Zimmer, Linksabgeordnete im Europaparlament, erläutert die europäische Dimension deutscher Rüstungspolitik. Plötzlich kommt Bewegung in die Zuhörenden. Etwa 30 rechte Jugendliche nähern sich der Kundgebung. Als die Polizei Platzverweise ausspricht, ziehen sie sich zurück. Auf Sichtweite.


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