Zella-Mehlis: Polizei relativiert Naziübergriff
In der Nacht vom 3. zum 4. August wurden 4 von den Angreifern als „Linke“ identifizierte Menschen in der Zella-Mehliser Diskothek Rele angegriffen und zum Teil schwer verletzt. Nachdem auch die Securitys die Opfer attackierten, begaben sich diese in ambulante Behandlung. Die Polizei spricht später von „rivialisierenden Gruppen“ und relativiert so wieder die politisch motivierte Gewalt.
Nazigewalt in Zella-Mehlis - eine unendliche Geschichte
Fast keine Woche vergeht ohne einen Bericht in der Presse, gestützt auf die Informationen der Polizei, in dem wieder eine Schlägerei in Zella-Mehlis thematisiert wurde. Oft handelt es sich hierbei um politisch motivierte Gewalt, ausgehend durch rechte Schläger aus Zella-Mehlis und Umgebung. So stellt die Einschüchterung, Bedrohung und Gewalt durch die Nazis schon einen Einschnitt in die Lebensqualität der Menschen dar, die es sich nicht nehmen lassen sich gegen rechtes Gedankengut zu positionieren.
Schon Stunden vor dem Übergriff in der Nacht vom 3. zum 4. August, richteten die Securitys von „Böwe Security“ mahnende Worte an die Opfer, da sie das anwesende „rechte Publikum“ als Linke identifiziert hätte. Es liegt scheinbar nicht im Sinne des Rele anwesende Nazis von den Partys zu entfernen. Hier sind sie scheinbar willkommene Gäste. Anders als mutmaßliche Linke, die als potenzielle Opfer den Diskofrieden zu gefährden scheinen.
Naziangriff und die Böwe-Security
Gegen 5 Uhr verließen die Betroffenen das Rele. Beim Verlassen des Eingangsbereiches wurde nach ersten Handgreiflichkeiten auch eine junge Frau -im Sichtfeld der Securitys- aus einer Gruppe, von teilweise einschlägig bekannten Neonazis heraus angespuckt. Die Böwe-Securitys griffen jedoch nicht ein. Einer wandte sich auf Nachfrage, was das denn sollte, von den Betroffenen ab. Ein zweiter forderte sie dazu auf, sich von hier zu „verpissen“. Die bespuckte Frau wurde dann als „Schlampe“ bezeichnet und die Betroffenen wurden weiter beschimpft und provoziert. Durch Sprüche wie „sind wir jetzt wieder Nazis?“ machten die Angreifer deutlich, dass sie ihre Opfer als Antifaschist_innen wahrnahmen.
Als die Betroffenen den Parkplatz des Rele verlassen wollten, trat eine Person aus der Gruppe der Neonazis gegen das Auto. Als die Insassen ausstiegen, wurden sie auch sofort angegriffen. Eine Person wurde von den Angreifern zu Boden gezerrt, zog sich leichte Blessuren zu und konnte stärkere Verletzungen nur verhindern, indem er einem der Angreifer zu verstehen gab, dass er seinen Namen kenne. Ein anderes Opfer hatte weniger Glück, es verlor am Boden liegend traktiert durch Schläge und Tritte sein Bewusstsein und blieb eine Weile regungslos am Boden liegen.
Die zuerst angegriffene Person wurde kurz darauf noch durch einen Security attackiert, der ihn, bekleidet mit Lederhandschuhen, ins Gesicht schlug und seinem Opfer dabei das Nasenbein brach. Später begaben sich die Opfer in ambulante Behandlung.
Bei näherer Betrachtung verwundert es nicht, dass die Böwe Securitys auch mal mit zuschlagen, wenn es gegen Linke geht. Die Firma gehört Frank Böwe, dem Besitzer des Naziladens „Bouncer“ in Meiningen. Der Laden richtet sich mit Textilwaren von Thor Steinar auch an die extrem rechte Kundschaft.
Teil des Problems - Polizei verschleiert faschistischen Angriff
Die Polizei sollte später den Übergriff durch Neonazis auf Linke als „Tätlichkeiten zwischen rivalisierenden Gruppen bezeichnen“, ohne zu erwähnen von welchem Klientel die Gewalt ausging und ohne die Motive der Angreifer näher zu beleuchten.
Nicht zum ersten Mal relativierte die Polizei die politisch motivierte Gewalt als eine Auseinandersetzung zwischen „rivalisierenden Jugendbanden“. Sie entpolitisiert damit den Vorfall und verhöhnt immer wieder die Opfer der schlagenden Faschisten. Mehr noch, sie macht sich zum willfährigen Werkzeug, derer, die dafür Sorge tragen, dass bestimmte Diskos, Kneipen oder ganze Stadtteile zu No-Go-Areas für Linke und Nicht-Deutsche werden.
Pressemitteilung:
Polizei verschweigt faschistische Gewalt
In der Nacht vom 3. auf den 4. August wurden in der Diskothek „Rele“ im südthüringischen Zella-Mehlis einige Jugendliche Opfer rechter Gewalt. Ein Opfer erlitt einen Nasenbeinbruch, ein weiterer Betroffener wurde von den Tätern solange mit Schlägen und Tritten traktiert, bis er bewusstlos am Boden liegen blieb, eine junge Frau wurde von den Angreifern bespuckt und beschimpft. Die Opfer mussten sich in ambulante Behandlung begeben.
Die Täter nahmen ihre Opfer als Linke wahr, rechneten sie der Antifa zu und wurden später von der Polizei nicht weiter behelligt.
Die am Abend zuständige Security-Firma „Böwe-Security“kam den Opfern nicht zu Hilfe, schlug gar selbst mit zu. Die Firma gehört Frank Böwe, dem Besitzer des Naziladens „Bouncer“ im nahe gelegenen Meiningen.
Die Polizei sprach später von „Tätlichkeiten“ zwischen „rivalisierenden Gruppen“ und verschweigt somit, dass es sich um politisch motivierte Gewalt handelte. Bei der Thüringer Polizei ist ein solches Verhalten leider kein Einzelfall.
„Die Polizei entpolitisiert damit den Vorfall und verhöhnt immer wieder die Opfer der schlagenden Neonazis. Mehr noch, sie macht sich zum willfährigen Werkzeug, derer, die dafür Sorge tragen, dass bestimmte Diskos, Kneipen oder ganze Stadtteile zu No-Go-Areas für Antifaschisten und Nicht-Deutsche werden.“, so Stefan Müller, Pressesprecher der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST).