Erneute Übergriffe - „Männertag“ bei der Kameradschaft Zella-Mehlis
Während des 25. Mai 2006 kam es im Raum Zella-Mehlis wieder verstärkt zu rechtsextremen Übergriffen. Neonazis aus den Kreisen der militanten Kameradschaft Zella-Mehlis machten Jagd auf alles was nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passte. Dass Neonazis unter Alkoholeinfluss an einem Tag, dessen emanzipatorischer Wert mehr als fragwürdig scheint, extrem gefährlich sind, zeigen die Geschehnisse des diesjährigen so genannten „Männertages“.
Wie schon im Vorjahr feierten die rechtsextremen Zella-Mehliser „Kameraden“ auch diesmal ausgiebig den so genannten „Männertag“. Hier Bilder ihrer Website von 2005:
Auch 2006 war eine ihrer Stationen die Wanderhütte "Am Lämmerfleck"
im Wald nördlich von Zella-Mehlis. Die Wanderhütte wurde erst am 15.
April diesen Jahres unter anderem von RechtsextremistInnen aus dem Kreis Gotha
zerstört und aus dem Holz ein Lagerfeuer errichtet. Die nationalen Wanderratten
bepöbelten auf ihrer Tour alle Menschen, die sie auf Grund ihres Aussehens
als Andersdenkende identifizieren. Mehrfach werden ihnen entgegenkommende Punks,
nicht rechte Skins, alternativ oder nicht rechts aussehende Jugendliche verbal
angegriffen. "Sieg Heil, grüßt den Führer!" skandierten
sie genauso wie "Hier marschiert der nationale Widerstand!". Es
wurde angerempelt, geschlagen und rumgeprollt. Mindestens sechs Personen wurden
auch körperlich von den Neonazis angegriffen.
Gegen 15 Uhr werden drei Jugendliche am Ruppberg-Parkplatz aus einer 20 Personen
starken Gruppe heraus angegriffen. Einer Person wird mehrfach versucht ins Gesicht
zu schlagen. Eine weitere Person wird attackiert und zu Boden gerissen, die dritte
Person bekommt einen Schlag mitten ins Gesicht.
Kurz darauf wird einem 18-jahre alten Mädchen eine Flasche gegen den Rücken
geworfen.
Später treffen einige dieser Täter auf eine Gruppe von Jugendlichen,
unter denen auch nicht rechte Skinheads sind. Daraufhin wird Musik der verbotenen
Neonaziband "Landser" abgespielt, die Gruppe bedroht und einer
Person kräftig mit der Faust gegen den Kopf geschlagen.
Gegen 17.45 Uhr wird eine weitere Person, die alleine in der Nähe des
Waldgasthauses "Knüllfeld" unterwegs war, von ca. drei Neonazis
aus einer Gruppe von ca. sechs Personen heraus angegriffen. Dem Angriff ging
ein verbaler "Schlagabtausch" voran, welcher von den Rechten begonnen
wurde. Das Opfer erlitt dabei am Kopf eine tiefe Platzwunde, welche anschließend
im Krankenhaus fünffach getuckert werden musste.
Die Personen der Tätergruppe und Hintermenschen sind bekannte Aktivisten der Kameradschaft Zella-Mehlis sowie Personen aus deren Umfeld. Beteiligt waren unter anderem (von links nach rechts): Florian Kessler, Chris Höfer, Patric Titscher, Steve Hartung, alles einschlägig bekannte Schläger. Sowie Stefan Kolb, Kameradschaftsführer und somit Verantwortlicher für die Rechtsentwicklung in Zella-Mehlis. Er formte die gewalttätige Kameradschaft massgeblich, war für ihre Publikationen im Internet zuständig und gilt somit ebenfalls als (Mit-)Verantwortlicher für die rassistische Motivation der Gewalt zu benennen.
All diese Personen sind in der örtlichen Kameradschaft aktiv und besuchten
schon mehrfach Veranstaltungen der rechtsextremen Szene in Thüringen und auch
bundesweit.
Längst ist es Tatsache, dass der "Männer-" oder "Vatertag", Linken, Nicht-deutschen,
sowie anderen ins Feindschema rechter Gesinnung passenden, Grund zu großer Besorgnis
bieten muss. Alljährlich kommt es zu diesem festen Termin im Kalender vieler
Neonazis und rechter Skinheads, zu Übergriffen und Provokationen. Durch Alkohol
und Männlichkeitsgehabe in Verbindung mit Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus
wird dann die Gewalt gegen Punks, MigrantInnen und Andersdenkende initiiert.
Nur selten kommen so detaillierte Infos wie dieses Jahr in Zella-Mehlis ans
Licht. Die meisten Opfer bringen es aus Angst nicht mal zu einer Anzeige bzw.
reichen diese Infos auch nicht an organisierte antifaschistische Gruppen weiter.
Wir möchten euch darum bitten, solltet ihr Opfer eines Übergriffs geworden sein
oder Übergriffe beobachtet haben, wendet euch an uns! --> agst@riseup.net
Auch im Nahe Erfurt gelegenen Sömmerda provozierten Nazis Ausschreitungen. Als
die Polizei eine rechtsextreme Feier auflösen wollte, errichteten die Neonazis
Barrikaden und entzündeten diese. In Weimar griffen etwa 15 Neonazis eine Feier
von Nicht-deutschen an und verletzten einen Menschen schwer. Mehrere Opfer wurden
leicht verletzt. 8 der Täter sind bereits festgenommen und gehören nach Presseangaben
der so genannten „Braunen Aktionsfront Apolda“ an.