Antifaschistische Gruppe Südthüringen
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Aktionen gegen die JN-Gründungsveranstaltung in Ammelstädt

Am Samstag, dem 14. Januar fand die Gründungsveranstaltung des Landesverbandes der JN – „Junge Nationaldemokraten“ (Jugendverband der NDP) in Ammelstädt, bei Rudolstadt statt. Gegen die Veranstaltung wandten sich ca. 60 AntifaschistInnen. In einer Spontandemo zog es den Protest bis vor die Kneipe der Neonazis, natürlich nicht unbemerkt von selbigen und der nicht weniger stark vertretenen Polizei.

Vorfeld: Neonaziveranstaltung sorgt für Aufsehen

Schon im Vorfeld fand die Veranstaltung der JN in Ammelstädt in den Medien Beachtung. Besonders in der Kritik stand der Betreiber des Gasthauses, welcher den Nazis nicht das erste Mal Raum gewährte. Denn schon im Juli 2004 veranstalteten die RechtsextremistInnen hier die so genannte „5. Thüringer Runde freier Nationalisten“, welche der Kaderschulung dienen sollte. Auch ein Nazikonzert am 11. März 2005 im Rahmen einer Saalveranstaltung des JN-Kreisverbandes fand hier schon statt.

Dass jener Betreiber Thomas Treutler mit den RechtsextremistInnen kein Problem hat bestätigte er in einem Interview mit der OTZ (Ostthüringer Zeitung). Zwar teile er die „politische Haltung“ der „Nationaldemokraten“ nicht, doch gäbe es eben auch keinen Grund die Neonazis nicht rein zu lassen.
Die Reorganisation des Landesverbandes kommt keineswegs überraschend. Bereits in den Jahren 2004/05 gründete die extreme Rechte JN-Stützpunkte im Saale-Orla-Kreis (Pößneck – 18.08.04) und in Jena (Braunes Haus - 10.09.05). Ein weiterer Stützpunkt besteht im Kreis Saalfeld-Rudolstadt. Hier engagiert sich der thüringenweit in Erscheinung getretene NPD-Kreisvorsitzende Thomas Wienroth. Bereits vor 5-6 Jahren existierte in Thüringen ein JN-Landesverband, mit den Organisationsschwerpunkten Jena, Gera, Eisenach, Saalfeld-Rudolstadt. Jene Vereinigung zerfiel jedoch mit dem Verlust seiner Köpfe: Patrick Wieschke, der im Januar 2002 seinen Bruch mit NPD und JN erklärte und der enttarnte VS-Spitzel Tino Brandt.

70 Neonazis gründen JN-Landesverband neu
Der Landesvorsitzende der NPD in Thüringen, Frank Schwerdt lud ein zur Gründungsversammlung des Landesverbandes Thüringen der „Jungen Nationaldemokraten“.



Gefolgt waren prominente Vertreter der NPD, u.a. Holger Apfel, der Fraktionsvorsitzende der sächsischen NPD-Landtagsfraktion und Philipp Valenta, der stellvertretende Bundesvorsitzende der JN. Etwa 70 Neonazis aus ganz Thüringen befanden sich im Saal des Gasthauses Ammelstädt.
Gegen 18 Uhr begann die Veranstaltung mit einem Redebeitrag von Frank Schwerdt. Weiterhin sprachen Thomas Wienroth und Holger Apfel. Geklärt wurden außerdem Formalitäten, wie die Wahlen des Vorstandes oder die Festlegung auf einige Termine. Mehr als die Vorgänge im Saal schien viele Neonazis, u. a. den NPD-Direktkandidat für den Wahlkreis Ilmkreis-Gotha Michael Burkert, jedoch eher die Geschehnisse außerhalb der dörflichen Kneipe zu interessieren. Dort traf gegen 19 Uhr nämlich die antifaschistische Spontandemo ein. Per Megafon wollten die etwas verschreckt und unbeholfen wirkenden Neonazis die anwesenden AntifaschistInnen begrüßen, leider versagte die Technik. Auch ein NPD und Thüringen-Fähnchen schwenkten RechtsextremistInnen verlegen, packten es jedoch nach wenigen Minuten wieder ein.

Antifaprotest

Ca. 60 AntifaschistInnen begaben sich am frühen Samstagabend nach Ammelstädt. Gegen 18:30 setzte sich die spontan formierte Demonstration in Bewegung Richtung Gasthaus Ammelstädt. Nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung mit der Polizei, welche eine Hundertschaft auffuhr um die Veranstaltung der NeofaschistInnen zu schützen, bewegte sich der, mit Transparenten, Fahnen und Megafon bewaffnete, Block vors Zielobjekt. Lautstark und ausdrucksvoll protestierten die NazigegnerInnen vor der Gaststätte und blieben auch nicht lange unbemerkt. Es folgte ein kurzer spontaner Redebeitrag, das Überhandnehmen rechtsextremer Strukturen in Süd- und Ostthüringen thematisierend. Auch versuchten die AntifaschistInnen auf die Stellung des Betreibers der Kneipe, welcher den Neonazis einen Rückzugsort gewährte, Bezug zu nehmen.

Frank Schwerdt sprach in seiner Einladung außerdem verschleiernd von musikalischer Umrahmung. Von einem Konzert im Anschluss an die Veranstaltung ist daher auszugehen. Möglicherweise spielten wieder Michael Müller und Annett Müller (ehemals Moeck), wie schon vor 10 Monaten.


Auch in Zukunft werden wir, die Gruppen AGST und slf.antifa das Auftreten rechtsextremer Gruppierungen zu stören wissen. In diesem Sinne:

Nazi-Kneipen enteignen!
Es gibt kein ruhiges Hinterland!











Ausgewählte Presseberichte im Vorfeld des 14. Januar:

12.01.2006 - DPA-Thüringen-Ticker

Thüringer NPD will Jugendverband neu gründen

Erfurt (dpa/th) - Die Thüringer NPD will nach Information des Thüringer Verfassungsschutzes am Samstag im Raum Rudolstadt ihren Jugendverband »Junge Nationaldemokraten« (JN) neu gründen. Damit bestätigte die Behörde am Donnerstag einen Bericht der »Ostthüringer Zeitung«. Die Jugendorganisation sei bereits vor einigen Jahren ins Leben gerufen worden, dann aber im Sande verlaufen, sagte Verfassungsschutzsprecher Martin Kaufmann. Das Vorhaben passe in die Strategie der NPD, ihre Präsenz in Thüringen zu verstärken.


13.01.2006 - OTZ

Polizei auf Treffen Rechter in Ammelstädt vorbereitet

Keine öffentliche Veranstaltung angemeldet
Ammelstädt (OTZ/H.E.). Die Saalfelder Polizei ist auf die Samstag in Ammelstädt geplante Gründung des Landesverbandes Junger Nationaler vorbereitet. Es werden genügend Beamte in Bereitschaft sein, informierte gestern Pressesprecher Eddy Krannich. Man werde genau schauen, wie viel Leute kommen, was es mit der Musik auf sich hat und ob die Teilnehmer womöglich auch woandershin gehen. Sobald strafrechtlich relevante Sachen passieren, werde die Polizei einschreiten. So lange es sich aber um eine geschlossene Veranstaltung handelt, werde es bei friedlichem Verlauf schwierig sein, sie zu verhindern, so Krannich.

So sieht man es auch in der Stadt Remda-Teichel. Zumal es nicht die erste Veranstaltung im Saal des Gasthauses an der B 85 in Ammelstädt mit rechtem Hintergrund ist. Allerdings ist das bisher fast immer unbemerkt abgelaufen. "Eine öffentliche Veranstaltung ist nicht angezeigt. So lange es eine vereinsinterne Veranstaltung ist, haben wir keine Möglichkeiten, aktiv zu werden", so Manfred Mitterer aus der Stadtverwaltung. Das Landratsamt bestätigte, dass bis gestern keine öffentliche Veranstaltung angemeldet war, weder von den Jungen Nationalen, noch von der Gegenseite. "Wir können das nicht beeinflussen, das ist eine rein kommerzielle Sache zwischen Wirt und Veranstaltern. Wir hoffen, dass es ruhig bleibt. Aus dem Ort wird es jedenfalls keine Aktionen geben", so Ortsbürgermeister Dr. Gerhard Holy.

Wirt des Gasthauses in Ammelstädt ist Thomas Treutner, der in Rudolstadt noch eine weitere Gaststätte betreibt. Die Veranstalter haben bei ihm die Gründung einer Jugendorganisation angezeigt, zu der etwa 80 Personen erwartet werden. "Ich habe schon mehrfach mit denen zu tun gehabt, es hat nie Probleme gegeben. Sobald es welche gibt, müssen sie sich einen neuen Ort suchen. So lange die Politik es nicht versteht, die NPD zu verbieten, sehe ich keinen Anlass, sie nicht rein zu lassen. Man muss ja deren politische Haltung nicht teilen", sagte er gestern.

Dr. Roland Hahnemann aus Jena, der für die Linkspartei/PDS im Landtag sitzt, warnte vor einer oberflächlichen Einschätzung der Gründung des Landesverbandes. Er fordert Landesregierung und Verfassungsschutz auf, "die Probleme nicht zu verniedlichen, der Öffentlichkeit reinen Wein einzuschenken und demokratische Kräfte nicht mit der Einsatzbereitschaft der Saalfelder Polizei unbegründet zu beruhigen".



Pressemitteilung antifaschistischer Gruppen aus Südthüringen

15.01.2006

Rudolstadt/Ammelstädt – Jugendorganisation der rechtsextremen NPD gründet Landesverband Thüringen neu

Nachdem vor kurzen schon der sächsische JN-Landesverband neu gegründet wurde, versucht die NPD nun auch verstärkt rechtsradikale Jugendliche in Thüringen in die Partei zu integrieren. Am Samstag dem 14.01.2006 wurde im „Gasthaus Ammelstädt“ bei Rudolstadt der thüringische Landesverband der „Jungen Nationaldemokraten“ wieder belebt. Neben dem Thüringer NPD Vorsitzenden Frank Schwerdt sprachen auf der Gründungsveranstaltung, unter anderem der Fraktionsvorsitzende im sächsischen Landtag Holger Apfel, Philipp Valenta, seines Zeichens stellvertretender Bundesvorsitzender der JN. Zu ihren Gästen zählten hierbei etwa 70 alte und neue Nazis aus ganz Thüringen, für welche neben den üblichen Formalitäten wie „Festlegung von Terminen für Veranstaltungen und Schulungen“ auch zwei „nationale Liedermacher“ auf dem Programm standen.
Direkt vor dem Gasthaus von Thomas Treutler in welchem nicht zum ersten mal dieses menschenverachtende Gedankengut propagiert wurde protestierten ungefähr 60 junge Antifaschisten, welche mit Transparenten und Fahnen auf das Geschehen in der Kneipe aufmerksam machten. Hierbei wurde unter anderem ein kurzer Redebeitrag über die erstarkenden rechtsextremen Strukturen in Ost- und Südthüringen gehalten.
Das von der NPD hierfür ausgerechnet die Region Saalfeld/Rudolstadt ausgewählt wurde ist nicht besonders verwunderlich, schließlich konnte sich in der Gegend fast ungestört eine neue rechte Szene entwickeln welche hier zudem über eine gute Infrastrukturen verfügt. Regelmäßig finden hier Rechtsrockkonzerte und Kaderschulungen statt, auch oder gerade deshalb wurde der lokale Neonazi Thomas Wienroth auf dem letzten Bundeskongress der „Jungen Nationaldemokraten“ als Beisitzer in den Vorstand gewählt.

Für Rückfragen stehen wir ihnen jederzeit gerne unter antifa.slf@mail.com zur Verfügung.

Antifaschistische Gruppen aus Südthüringen www.agst-antifa.tk - www.slf.antifa.net



Artikel der OTZ nach den Aktionen:

16.01.2006

Linke protestieren in Ammelstädt

Ammelstädt (OTZ). Ihrem Unmut über die Gründung eines Landesverbandes der Jungen Nationaldemokraten machten am Samstagabend etwa 50 links gerichtete junge Leute aus Rudolstadt, Saalfeld, Arnstadt und anderen Orten Luft, die zusammen mit dem evangelischen Rudolstädter Pfarrer Johannes-Martin Weiss nach Ammelstädt kamen. Vor dem Veranstaltungslokal gab es verbale Auseinandersetzungen. Weiss lobte gestern gegenüber OTZ die Polizei, die mit ihrer Präsenz dafür sorgte, dass Gewalttätigkeiten vermieden wurden. Nach einer halben Stunde war Ruhe eingezogen.

Antifaschistische Gruppe Südthüringen




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