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Presseberichte im Vorfeld der Demo am 26.August 19.08.2006 - Freies Wort ANTIFASCHISTISCHE DEMONSTRATION Junge Linke: Vereine sind von Rechten unterwandert VON HEIKE JENZEWSKI ZELLA-MEHLIS – „Willkommen in der No-Go-Area Zella-Mehlis – Betreten auf eigene Gefahr“: Die Mitglieder der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST) haben mit Absicht für ihre Demonstration heute in einer Woche ein provokantes Motto gewählt. Sie sagen, Zella-Mehliser Vereine seien von Rechten unterwandert und die Stadt für Linke oder Ausländer nicht mehr sicher. Drei junge Mitglieder der Antifa-Gruppe aus Zella-Mehlis, Suhl und dem Raum Oberhof, die aus Angst vor rechten Übergriffen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollten, stellten das Vorhaben jüngst in der Lokalredaktion vor. Sie seien eine parteiunabhängige Gruppe von 18- bis 25-Jährigen, die allen Antifaschisten offen stehe. „Wir werden zwar vom Verfassungsschutz als Linksextreme angesehen. Wir denken aber vor allem, dass Probleme wie Faschismus und Rassismus in der Gesellschaft liegen und deswegen radikal kritisiert werden müssen. Dazu kann man sich aber nicht nur einzelne Personen heraussuchen, sondern die gesamte Gesellschaft muss sich ändern“, nennen die jungen Leute ihr Anliegen. Bewusst wählten sie den Begriff No-Go-Area ( zu Deutsch in etwa: Nicht zu betretendes Gebiet), der im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft hochkochte, als Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye vor allem Brandenburg als gefährliche Zone für dunkelhäutige Mitbürger ausrief. Ähnlich sehen es auch die jungen Linken für Zella-Mehlis. Für sie nehmen Nazigewalt und rechte Strukturen in der Region überhand; Zella-Mehlis bezeichnen sie als „Schwerpunkt extrem rechter Aktivitäten“, in dem sich „Menschen mit linkem oder migrantem Hintergrund“ nicht mehr frei bewegen können, sondern ständig in Angst vor brutalen Übergriffen Rechtsextremer leben müssen. Klares Feindbild Als Quelle der rechtsextremen Gewalt haben die Linken die „Kameradschaft Zella-Mehlis“ ausgemacht, die nach eigenen Angaben seit November 2003 existiert und sich auf ihrer Homepage als „national-denkende Gemeinschaft“ bezeichnet mit Mitgliedern über Zella-Mehlis hinaus auch in Oberhof, Schmalkalden und Kühndorf. Aus ihrer ideologischen Nähe zur NPD und der Deutschen Partei macht die Kameradschaft keinen Hehl, einer der Mitbegründer war der Zella-Mehliser Nazi Kurt Hoppe. Für die AGST-Mitglieder ist die Kameradschaft ein „Sammelbecken einer enormen Anzahl rechter Skinheads und gewaltbereiter Neonazis“. Zahlreiche Übergriffe der jüngsten Zeit legen sie der militanten Gruppe zur Last. Beispielsweise einen Angriff auf „Punks, nicht rechte Skins, alternativ oder nicht rechts aussehende Jugendliche“ am 25. Mai 2006. Zuvor hätten die Rechten die Wanderhütte „Am Lämmerfleck“ demoliert. Doch nicht nur brutale Auseinandersetzungen nahmen die jungen Leute zum Anlass für ihre Demo, die am 26. August um 13 Uhr am Zella-Mehliser Bahnhof starten und durch die ganze Stadt führen soll. Auch die Unterwanderung Zella-Mehliser Vereine mit rechtem Gedankengut war für die AGST Anlass. In ihrem Flugblatt zur Demonstration nennen sie Namen und Vereine. So finde sich ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr als Verantwortlicher auf der Homepage der Kameradschaft wieder. Mindestens drei Trainer und Übungsleiter der WSG Zella-Mehlis seien bekennende Rechte und würden das braune Gedankengut ungehindert auf Kinder und Jugendliche übertragen. Selbst Besucher der Fußballspiele meinen, eine bestimmte Fan-gruppe aufgrund ihrer Kleidung und Parolen als Rechte ausmachen zu können. „Sieg-Heil“-Rufe überschatteten das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft, das einige Hundert Fußball-Fans im Zella-Mehliser WM-Festzelt verfolgten. Nicht vergessen ist bei den Linken der Vorwurf an die TSV-Fußballer, die bei einem Auswärtsspiel in Möckers rechte Parolen gegrölt haben sollen (Freies Wort berichtete). Ein weibliches Mitglied der Kameradschaft sei auf der Homepage in einem Pullover des MCC abgelichtet. „Wir verlangen eine Auseinandersetzung mit diesen Fakten und fordern von der Öffentlichkeit eine kritische Reflektion zu diesem Thema. Man kann zu dieser Unterwanderung mit Rassisten und Faschisten nicht einfach still sein“, begründen die jungen Leute ihre Aktivitäten. „Wir wissen von mindestens einem Fall, dass auch am Zella-Mehliser Gymnasium die Schulhof-CD der NPD im Umlauf war, die in ganz Deutschland in Schulen und Stadien verteilt wurde“, nennen die Linken ein weiteres Beispiel, wie weit die braune Gefahr schon in die Gesellschaft vorgedrungen sei. Zu wenig wüssten Lehrer und Erzieher heute über die Nazi-Symbole. Diffamierung überall Die Reaktion auf ihre Hinweise und Vorwürfe sei ernüchternd, so die drei. Es sei bei der WSG wie überall in der Gesellschaft: „Sie diffamieren lieber die Antifaschisten, anstatt Rassismus und Nazismus in ihrem Verein eine klare Absage zu erteilen. Das ist ein Armutszeugnis. Immerhin hat der Verein Verantwortung für über 100 Jugendliche!“, betonen die Linken. „Der einzige Weg ist, sich ideologisch mit deren Ideen auseinander zu setzen. Es reicht nicht, die rechten Symbole zu verbieten oder die Rechten aus der WSG auszuschließen. Dann arbeiten sie im Untergrund weiter.“ Es dürfe für rechtes Gedankengut in der Gesellschaft einfach keinen Nährboden geben, deshalb müsste über die ideologischen Hintergründe aufgeklärt werden, fordern die Linken. Sie hoffen, dass die Demonstration und Kundgebung am Sonnabend einen friedlichen Verlauf nehmen wird. „Bestimmt wird die Polizei anwesend sein und wir können versichern: Krawalle sind nicht im Interesse der Organisatoren!“ AGST im Fokus des Verfassungsschutzes Im Verfassungsschutzbericht 2005 wird auch die autonome Szene in Thüringen beleuchtet. Die Verfasser zählen neben Erfurt, Gera und Jena auch Zella-Mehlis und Suhl zu den Regionen, in denen Autonome aktiv sind. In diesem Zusammenhang verweist der Bericht auf die Antifaschistische Gruppe Südthüringen (AGST). Sie habe beispielsweise beim Protest eines Aktionsbündnisses gegen Rechts im November 2005 in Gotha ausdrücklich von der „betont pazifistischen Form des Protests“ Abstand genommen. „Gewalt darf zwar nicht als politischer Inhalt vermittelt werden, sie auszuschließen ist jedoch ,ahistorisch und politisch unverantwortlich‘“, wird die AGST im Bericht zitiert. 19.08.06 - Freies Wort LINKE DEMO Panse: Gegen Links- und gegen Rechtsextreme ZELLA-MEHLIS – Bürgermeister Karl-Uwe Panse hofft, dass die für kommenden Sonnabend geplante Demonstration der Linken in Zella-Mehlis ohne Zwischenfälle abgeht. „Es gab bisher keine größeren Übergriffe in der Stadt. Und ich gehe davon aus, dass die Gesundheit sowohl der Demonstranten als auch der Zivilbevölkerung durch den Einsatz von Polizei gesichert ist. Die unterschiedlichen Meinungen sollten durch Argumente beigelegt werden, nicht durch Fäuste“, hofft Karl-Uwe Panse, der auch das Anliegen der antifaschistischen Demonstration durch Schlägereien gefährdet sähe. Die Anmelder der Demo haben eine zeitweise Sperrung der Straße vom Bahnhof bis zum Zellaer Markt beantragt. „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, sagte der Bürgermeister gestern auf Freies Wort -Nachfrage zu den Vorwürfen der Linken, die Stadt und ihre Vereine seien von Rechten unterwandert. Allerdings, so betonte er, sei er gegen jede Form von Extremismus, egal ob rechts oder links, vor allem gegen gewaltbereiten Extremismus. Nach den Vorwürfen gegen ein Mitglied der Feuerwehr habe es Gespräche mit der Wehrleitung gegeben. „Wenn ein Kamerad solchem Gedankengut nachhängt, kann man das aber nicht auf die gesamte Feuerwehr übertragen“, betonte das Stadtoberhaupt, das von Amts wegen oberster Dienstherr der Freiwilligen Wehr ist. Sicher sollte man Leute mit rechtsradikalem Gedankengut nicht in der Feuerwehr dulden. Aber ob die gesetzliche Grundlage für einen Ausschluss vorhanden ist, müsse erst noch geprüft werden. Vereinsinterne Sache Anders liegt die Sache bei der WSG. Wie bei allen anderen 60 Vereinen in der Stadt stehe es ihm nicht zu, sich in die inneren Angelegenheiten einzumischen. „Natürlich missfällt mir diese Entwicklung der letzten Zeit, denn jeder Verein der Stadt erhebt den Anspruch, politisch unabhängig zu sein, das Grundgesetz zu wahren und jedem Mitbürger den Zugang einzuräumen.“ In der WSG sei über Jahre ein hervorragende Kinder- und Jugendarbeit geleistet worden. An diesem Anspruch, sauberen Sport zu bieten, müsse sich der Verein messen lassen. Zwar sei der Sportplatz Alte Straße, Heimstatt der WSG, städtisches Gelände. „Aber so lange keine verfassungsfeindlichen Symbole gezeigt oder Parolen gerufen werden, kann ich nicht eingreifen“, so Panse. Und ohnehin seien dann Polizei und Verfassungsschutz gefordert, nicht die Kommune. Er wolle die Aktivitäten aber auch nicht überbewerten, denn es habe in Zella-Mehlis noch keine Übergriffe auf Ausländer gegeben wie in Schleusingen oder Hildburghausen. Panse selbst ist wegen einer privaten Angelegenheit am kommenden Wochenende nicht in Zella-Mehlis. Mit beiden Beigeordneten sei aber gesprochen worden, „falls eine Entscheidung des Bürgermeisters erforderlich wird“. (ski) 22.08.06 - Freies Wort DEMO GEGEN RECHTS PDS: Stadträte sollen teilnehmen ZELLA-MEHLIS – Die PDS-Landtagsabgeordnete Ina Leukefeld hat Bürger und Kommunalpolitiker in der Region aufgefordert, ein klares Bekenntnis gegen Rechtsextremismus abzugeben. Neonazi-Umtriebe in Zella-Mehlis, Oberhof und Suhl dürften nicht klein geredet werden. In einer gestern verbreiteten Erklärung stellt sich Leukefeld hinter den Aufruf der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST) zu einer Antifa-Demonstration am Samstag in Zella-Mehlis. „Ich stehe an der Seite der Menschen, die sich couragiert gegen jede Form von Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt wenden“, so die PDS-Abgeordnete. Gleichzeitig warnte Leukefeld davor, einerseits Protest gegen Neonazis als „linksextrem“ anzuprangern, andererseits aber das Ausmaß der rechtsextremen Gefahr zu verharmlosen. So habe ihr die Landesregierung in Bezug auf den Rechtsextremismus bestätigt, dass „es neben dem Kreisverband der NPD Hildburghausen-Suhl mit 25 bis 30 Mitgliedern auch in Südthüringen Freie Kameradschaften gibt“. Es lägen umfangreiche Erkenntnisse zu rechtsextremistischen Aktivitäten in Südthüringen, insbesondere in Zella-Mehlis vor, betont Ina Leukefeld und erklärt weiter: „Ich kann Stadträte in Zella-Mehlis, in Suhl, Oberhof oder anderswo nur bestärken, genau hinzusehen, was sich in ihrer Kommune tut, um zu verhindern, dass rechtes Gedankengut hoffähig gemacht wird.“ Unterstützt wird Leukefeld von der Zella-Mehliser PDS. Fraktionschefin Elke Pudszuhn und Stadtverbandsmitglied Heike Gundlach forderten alle Stadträte auf, an der Demonstration teilzunehmen. „Der Neofaschismus wird unterschätzt. Wir brauchen dagegen ein Bündnis mit allen Kräften“, betonte Heike Gundlach gegenüber Freies Wort . Die rechte Denkweise sei schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen. —————— Hoppe droht: Dann werde ich zum Nazi! —————— Unterdessen reagierte der führende Zella-Mehliser Rechtsex treme, Kurt Hoppe , mit unverhohlener Aggressivität auf unsere Berichterstattung. Der Freies Wort -Lokalredakteurin drohte Hoppe gestern: „Ich bin kein Nazi, aber wenn aufgrund Ihres Artikels meinem Haus, mir oder meiner Familie etwas angetan wird, dann komme ich zu Ihnen persönlich nach Hause, und dann werde ich zum Nazi!“ (red) 23.08.06 - Freies Wort WSG „Thüringer Wald“ Zella-Mehlis Wir sind kein rechter Verein! ZELLA-MEHLIS – Vorstand und Mitglieder der WSG „Thüringer Wald“ Zella-Mehlis verwahren sich gegen den Vorwurf der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST), der Verein sei von Rechtsradikalen unterwandert und beschäftige Übungsleiter oder Trainer mit rechtem Gedankengut (Freies Wort 19. August). „Bei der Aufnahme in unseren Verein wird niemand gefragt, ob er links oder rechts ist. Laut Richtlinie zur Förderung des Sports in der Stadt integrieren wir Menschen unterschiedlichster Herkunft und Weltanschauung“, betonte Andreas Schmidt, stellvertretender WSG-Vorsitzender, gestern in einem Gespräch in der Redaktion. Wenn allerdings einer der Trainer offenkundig nach rechts tendiere, dann werde er auch, wie vor anderthalb Jahren bereits praktiziert, aus dieser Position entfernt. (ski) 24.08.06 - Freies Wort WSG „THÜRINGER WALD“ Vorstand wehrt sich gegen Vorwürfe zu rechten Aktivitäten „Wir sind nicht links und nicht rechts“ VON HEIKE JENZEWSKI ZELLA-MEHLIS – Der Fußball-Verein WSG „Thüringer Wald“ aus Zella-Mehlis verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf, Trainer und Übungsleiter mit rechtem Gedankengut in der Kinder- und Jugendarbeit einzusetzen. Andreas Schmidt, stellvertretender Vereinsvorsitzender, Jugendwart Jens Anschütz und Thomas Bischof, Übungsleiter und Schiedsrichter, machten sich in der Redaktion zum Beitrag „Junge Linke: Vereine sind von Rechten unterwandert“ (Freies Wort 19. August) Luft. „Die WSG ist kein rechtsradikaler Verein. Wir wissen, wer bei uns Fußball spielt, auch wenn wir bei der Aufnahme nicht fragen, ob einer links oder rechts ist“, betonte Andreas Schmidt. Vor anderthalb Jahren sei der Vorstand Hinweisen von Eltern nachgegangen, dass ein Übungsleiter nach rechts tendiere. Er sei sofort als Nachwuchs-Trainer abgelöst worden. Seither gebe es keine Hinweise, dass im Training oder bei Spielen rechtsextremes Gedankengut oder rechte Parolen verbreitet würden. Besonders ärgert die WSG, dass die Mitglieder der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST) sich nicht mit dem Vorstand in Verbindung setzten und dort ihre Vorwürfe vorbrachten. Die Verbreitung solcher Behauptungen über das Internet und die Zeitung führe nur zu Hass gegen den Verein. „Ich werde in der Schule schon als Nazi-Trainer beschimpft“, ärgert sich Thomas Bischof, Schülersprecher am Zella-Mehliser Gymnasium. „Wir sind nicht rechts und wir sind nicht links“, beharrt Andreas Schmidt. „Aber ich bin gegen Linksextreme genau wie gegen Rechtsextreme. Gerade Sportvereine sind doch Anlaufstelle für die Jugend. Besser, sie trainieren bei uns und messen sich im fairen Wettstreit, lernen das Miteinander und Teamfähigkeit, als dass sie sich irgendwo zusammenrotten und prügeln“, sieht der Vize einen großen Vorteil der Vereinsarbeit. Das bestätigt Thomas Bischof: „Das ist doch gerade der Vorteil von Vereinen, dass sich hier alle, auch die, die vielleicht nach rechts oder links tendieren, vertragen. Aber wir können nicht unsere Übungsleiter außerhalb vom Sportplatz hinter den Jugendlichen herschicken und kontrollieren, was sie in der Freizeit machen“, räumt der 18-Jährige ein. Imageschaden Jugendwart Jens Anschütz fürchtet wie andere Mitglieder auch einen Imageschaden für den Verein. Über Jahre sei eine sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet worden. Die 118 Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren spielen in allen Altersklassen von den A- bis zu den F-Junioren und seien teils sogar auf Landesebene aktiv. „Mit rechten Parolen wird man nicht so erfolgreich“, betont Anschütz. „Wir wollen sauberen Sport, Ideologie hat bei uns nichts zu suchen.“ Mehr noch, der Verein kümmere sich nicht nur um die Kinder. Auch die Eltern würden einbezogen. Mit monatlichen Veranstaltungen vom Kegeln über Tanz bis hin zu geplanten Grillabenden danke der Verein den Eltern auch für ihren Einsatz an den Wochenenden, wenn die Kinder zu Spielen gefahren werden müssen. WSG ohne Lobby Im Sport gehe es nicht um Politik, wohl aber um Integration, so Schmidt. Um Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Weltanschauung. Dass selbst im Stadtrat schon der Stab über der WSG gebrochen und in nicht öffentlicher Sitzung über das Thema gesprochen wurde, ohne jemals mit den Verantwortlichen Kontakt aufgenommen zu haben, ärgert ihn besonders. „Wir haben keine Lobby in der Stadt. Das sieht man an den Platzverhältnissen in der Alten Straße, wo täglich Kinder und Jugendliche trainieren. Bisher sind die Investitionen in Sportstätten der Stadt meistens an der Alten Straße vorbei gegangen. Die Auszeichnung, die wir vom Land für unsere gute Nachwuchsarbeit bekommen haben, hilft uns da auch nicht weiter“, so Schmidt. „Aber diesen Erfolg hätten wir nicht, wenn wir links oder rechts wären.“ 26.08.06 - Freies Wort MCC „Distanzieren uns von Vorwürfen“ ZELLA-MEHLIS – „Der Mehliser Carneval Club möchte sich hiermit entschieden von den im Freien Wort erhobenen Vorwürfen öffentlich distanzieren.“ Mit diesen Worten beginnt eine Stellungnahme des Vereins auf den Freies Wort- Beitrag „Junge Linke: Vereine sind von Rechten unterwandert“ vom 19. August. Darin heißt es unter anderem, dass nach Ansicht der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST) die Zella-Mehliser Vereine von rechtem Gedankengut unterwandert würden. In diesem Zusammenhang wird auch der MCC genannt. „Für unseren Verein möchten wir hiermit klar stellen, dass es satzungsgemäßer Zweck des Mehliser Carneval Club e.V. ist, die Pflege bodenständigen karnevalistischen Brauchtums zu betreiben, die von uns nun schon seit fast 39 Jahren ausgeübt wird. Wir sind stolz darauf, in dieser langen Zeit von extremen politischen Richtungen nach rechts und links nicht beeinflusst worden zu sein und erteilen all jenen eine klare Absage, die versuchen sollten, mit solchen Ansichten bei uns salonfähig werden zu wollen“, unterstreicht MCC-Präsident André Langenhan. „Wir sehen es sowohl in unserem Interesse als auch in dem unserer Gäste, wenn wir uns in gewohnt närrischer Art um die Vorbereitung der 39. MCC-Session bemühen, damit wir unser Publikum in altbewährter Weise zu Beginn der ‚Fünften Jahreszeit‘ bei uns begrüßen können. Die Närrinnen und Narren des MCC handeln heute wie in den vergangenen Zeiten nach dem Motto: ‚dem Volk aufs Maul zu schauen‘ – und das Volk verabscheut in seiner Mehrheit extremistische Ansichten, wie auch die gesamte Mitgliedschaft des MCC.“ (red) Presse zur Antifa-Demo am 26.08.2006 28.08.2006- Freies Wort 150 Teilnehmer zogen acht Kilometer durch die Stadt Junge Linke protestieren gegen Rechts ZELLA-MEHLIS – Lange Staus gab es am Samstagnachmittag auf der Zella-Mehliser Hauptverkehrsader Bahnhofstraße, Oberhofer Straße und Heinrich-Ehrhardt-Straße. Für die Demonstration der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST) musste die Straße von der Polizei abschnittsweise voll gesperrt werden. Der Protestmarsch verlief ohne Zwischenfälle. Die Zella-Mehliser Mitglieder der Antifa-Gruppe hatten unter dem Motto „Gegen jeden Nationalismus – Den rechten Alltag bekämpfen“ zur Demo aufgerufen, der sich rund 150 vorwiegend junge Leute aus Zella-Mehlis, Suhl, Ilmenau und Arnstadt anschlossen. Nach einer ersten Kundgebung am Bahnhof in Zella, bei der Die Linke.PDS-Landtagsabgeordnete Ina Leukefeld Mut machte, gegen Neofaschismus und rechte Störenfriede zu protestieren, setzte sich der Zug in Richtung Stadtmitte in Bewegung. Neben Ina Leukefeld begleiteten auch PDS-Stadträtin Elke Pudszuhn und Karl Nehring (FWG) als erster Beigeordneter des Bürgermeisters die jungen Autonomen. Fast vollständig hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Willkommen in der No-Go-Area Zella-Mehlis“ (deutsch etwa: Nicht zu betretendes Gebiet) verborgen und gesichert von insgesamt 80 Polizisten aus ganz Thüringen zogen die Demonstranten rund acht Kilometer durch Zella-Mehlis. Immer wieder skandierten sie auf ihrem Weg in Richtung Siedlung „Nazis raus“ und „Für die Freiheit, für das Leben, Nazis von der Straße fegen“. Außerdem wurden Flugblätter an Passanten verteilt, um über das Anliegen ihrer Demo – „die Überhandnahme von rechtsextremen Strukturen und Nazigewalt in Zella-Mehlis“ – aufzuklären. Der Rechtsextreme Kurt Hoppe, an dessen Haus die Demo vorbeiführte, ließ sich nicht blicken. Viele seiner Nachbarn dagegen schauten am Fenster oder übern Gartenzaun; eine Demonstration hat es in der kleinen Friedensstraße schließlich noch nicht gegeben. Da Beigeordneter Karl Nehring für ein Absetzen des geplanten WSG-Fußballspiels gesorgt hatte, war der Sportplatz in der Alten Straße kaum belebt. Nur wenige Mitglieder des Sportvereins und Anwohner waren Zaungäste einer weiteren Kundgebung, bei der Autonome erneut Vorwürfe der rechten Unterwanderung in den Vereinen erhoben (Freies Wort berichtete). Stadträtin Elke Pudszuhn erinnerte an die Zuwächse für rechte Parteien bei der jüngsten Bundestagswahl auch in Zella-Mehlis und appellierte an die Zuhörer, hin- und nicht wegzuschauen, wenn extreme rechte Einstellungen wahrgenommen würden. Gegen 17 Uhr löste sich die Demonstration in Zella auf. Polizeibeamte sorgten dafür, dass die Veranstaltung friedlich und ohne Zwischenfälle verlief. Nach Auskunft von Fred Jäger, Sprecher der Polizeidirektion Suhl, wurden an der Strecke einigen Jugendlichen wegen Störabsichten Platzverweise ausgesprochen. Drei Jugendliche seien kurz in Gewahrsam genommen worden. 28.08.06 - Freies Wort, Politik ZELLA-MEHLIS Problemlose Demo durch „No-Go-Area“ ZELLA-MEHLIS – Rund 150 überwiegend junge Linke aus Südthüringen haben am Samstag in Zella-Mehlis gegen nach ihrer Einschätzung zunehmende rechtsextremistische Umtriebe in der Stadt demonstriert. Während des etwa vierstündigen Zuges wiesen Redner auf Aktivitäten neonazistischer Funktionäre und Kameradschaften hin, die sich auch in Sport- und Kulturvereinen von Zella-Mehlis etablieren würden. Es gebe bereits Orte, die für offen nicht-rechte Menschen kaum mehr ohne Risiko betretbar seien, sagte ein Sprecher der „Antifaschistischen Gruppe Südthüringen“. Dazu zähle ein Jugendclub, Kneipen, aber auch das Gelände des Sportvereins WSG. Die Polizei, die mit 80 Beamten absicherte, sprach anschließend von einer weitgehend problemlosen Veranstaltung. Gegen einige aus der rechten Szene stammende Störer seien Platzverweise ausgesprochen worden, drei Jugendliche wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.(red) 29.08.06 - Freies Wort Karl Nehring: Fragwürdige Veranstaltung ZELLA-MEHLIS — Zum Beitrag über die antifaschistische Demonstration „Junge Linke protestieren gegen Rechts" äußerte sich gestern Karl-Nehring (Freie Wähler), erster Beigeordneter des Bürgermeisters: „Durch die Abwesenheit des Bürgermeisters Karl-Uwe Panse am Wochenende habe ich mich verpflichtet gesehen, bei Teilen der Veranstaltung anwesend zu sein, so am Bahnhof und am Sportplatz Alte Straße. Ich bin weder mit noch nebenher gelaufen bei dieser für mich fragwürdigen Veranstaltung. Erschüttert war ich, mit welchem Wortvokabular Vereine und Einrichtungen der Stadt überschüttet wurden. Die Stadt Zella-Mehlis und ihre Bürger haben anderes verdient, als den Spuk von rechts und links ertragen zu müssen. Ich sehe dringend Veranlassung, dass sich der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung mit den Geschehnissen befasst, um weiteren Schaden von der Stadt abzuwenden". 31.08.06 - Freies Wort, Leserbrief ZELLA-MEHLIS Ins Wespennest gestochen Die eher hilflosen Erklärungen zweier Vereine, des Bürgermeisters und seines Stellvertreters Nehring haben gezeigt, dass die jungen Linken offenbar in ein Wespennest gestochen haben. Herrn Nehrings Stellungnahme mit der Betonung, dass er sich nicht der Demo angeschlossen habe, war überflüssig. Kein Mensch, der sich mit der politischen Entwicklung der Stadt auseinander setzt, wäre ernsthaft auf diese Idee gekommen. Dabei haben die als Nestbeschmutzer getadelten Jugendlichen auf eine nicht erst seit gestern bekannte Strategie der Rechtsextremen hingewiesen, nämlich Vereine und Bürgerbewegungen gezielt zu unterwandern. Das dabei auch Zella-Mehlis keine Ausnahme bildet, ist kein Geheimnis. Ebenso die zahlreichen rechtsextremen und rassistischen Übergriffe, von denen nur die Spitze des Eisbergs an die Öffentlichkeit kommt. Umso schwerer scheint es der städtischen Politik zu fallen, sich dies einzugestehen. Denn es würde letztendlich auch bedeuten, anzuerkennen, dass es neben einer völlig gescheiterten Jugendarbeit sehr wohl auch soziale Probleme und jede Menge Unzufriedenheit in der Stadt gibt. In der kürzlich erschienenen Freies-Wort - Serie "Wie lebt es sich in Zella und Mehlis?" kamen leider hauptsächlich Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Stadträte zu Wort, die Land und Leute auf das Höchste lobten. Ich denke, dass die Serie einen falschen Eindruck vermittelte. Keine Hartz IV Empfängerin aus der Struth, kein Jugendarbeitsloser, der die Stadt verlassen will, kein Asylbewerber aus der Industriestraße wurde gefragt, wie er das Leben in der Stadt empfindet. Die Demonstration hat die städtische Fassade von Glückseeligkeit und Vorgartenidylle bröckeln lassen, und auch wenn ich den Aufruf der Junglinken nicht in allen Punkten teile, bin ich der Meinung, dass es höchste Zeit dazu war. Melanie Grapentin, Zella-Mehlis |