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Willkommen in der No-Go-Area Zella-Mehlis! Betreten auf eigene Gefahr!
Gegen jeden Nationalismus – Den rechten Alltag bekämpfen
„Ein gesundes Nationalgefühl“, „fröhlicher Patriotismus“, „karnevalistischer Nationalismus“ – das sind die Phrasen, welche sich seit Beginn der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland in den bürgerlichen Medien überschlagen. Darf sich die deutsche Bevölkerung, 61 Jahre nach dem deutschen Nationalsozialismus und nach Praktizierung des Holocaust durch die deutsche Volksgemeinschaft, wieder positiv auf die eigene „Nation“ beziehen? Die Meinung ist einhellig, die Begründung schier unglaublich. Nicht trotz, sondern wegen Auschwitz darf sie. Deutschland bezeichnet sich, nicht zuletzt mit Hilfe internationaler Rückendeckung, als geläuterte Nation, welche aus den Geschehnissen des deutschen Faschismus gelernt haben will. Die Propagierung des „neuen Nationalismus“ hat Folgen. Die deutsche Nation, ein Konstrukt, erhalten durch Menschen, welche sich als „Deutsche“ verstehen, versinkt im Fahnenrausch, im nationalen Einheitstaumel. Alle Deutschen sind sich einig, „wir“ sind wieder wer, wir sind Deutschland, wir sind Papst und Fußballweltmeister der Herzen sind wir natürlich auch allemal. Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußballnationalelf brachte während einer Pressekonferenz unbewusst auf den Punkt, was viele nur wage umschrieben: „Die Welt hat wieder Angst vor uns“, vor den Deutschen. Hier wird nun die Gefahr ersichtlich, denn Nationalismus ist immer noch eine substanzielle Grundlage für das Erstarken des Neonazismus. Mehr noch, Nationalismus ist Teil der nationalsozialistischen Ideologie.
Was macht ihn aus, den „gewöhnlichen Nationalismus“? Wer sich zugesteht, stolz auf den Zufall zu sein, dass er/sie mit den Voraussetzungen geboren ist, „deutsch“ zu sein, der/die beharrt darauf, zum so genannten „deutschen Volk“ zu gehören. Dass sich dieses „Volk“ oder die konstruierte „Nation“ von anderen „Völkern“ und „Nationen“ unterscheidet, gesteht mensch sich auch ein. Oder warum sollte er/sie sonst stolz sein? Die Praxis sich als „Volk“ zu Nationalstaaten zusammenzuschließen, bleibt für uns als AntifaschistInnen genauso unverständlich wie die Tatsache sich zu einem „Volk“ zugehörig zu fühlen oder sich positiv und mit Stolz auf eine Nation zu beziehen. Nichts rechtfertigt diesen Zusammenschluss und den gleichzeitigen Ausschluss von Menschen, die dem „Volkskörper“ fremd sind. Die reale Praxis sieht oft grausam aus. Abschiebung, Einreiseverbot, Beuge- und Isolationshaft sind die Mittel des Staates, sich jener Fremdkörper zu entledigen. Mord und Totschlag sind die Mittel alter und neuer Nazis. Das Ziel bleibt das gleiche. Die Propagierung des Nationalismus und die Praktizierung von Nationalstaatlichkeit führt so zwangsläufig zu menschenunwürdigen Zuständen, welche es in allen Erscheinungsformen zu bekämpfen gilt.
Die soziale Perspektive sollte ein anderes Ganzes sein, in der der Mensch sich als Mensch definiert, nicht als Deutscher, Franzose oder Amerikaner. Ein Zusammenleben, welches nicht die Unterschiede in den Fokus rückt, sondern die Gemeinsamkeiten.
Staat, Neonazis und Deutsche -
Hand in Hand gegen MigrantInnen, Asoziale und QuerdenkerInnen
Thüringens PolitikerInnen und Staatsmacht sind sich einig. Das Unbestreitbare wird plakativ eingestanden: Es gibt ein Problem mit Rechtsextremismus. Wenige Phrasen später folgen meist die Abwertung der Problematik und die Aufwertung der eigenen rechtsstaatlichen Arbeit. Neofaschismus und Rassismus werden als marginal auftretende Erscheinungen verstörter Kids abgetan, welche aufgrund der „schlechten Zeiten“ keinen Job oder keine Ausbildungsstelle ergattern konnten. Mit diesem Bild muss aufgeräumt werden. Rechte Strukturen sind nichts anderes als das Extrakt einer Projektion gesellschaftlicher und staatlicher Perspektiven und Ansichten auf eine radikalere und handelnde Minderheit.
Der durch die Medien spukende Begriff der No-Go-Area unterstreicht hierbei den nach Sensationen haschenden Charakter einer Gesellschaft welche jene Wechselwirkung leugnet, um das Bild der eigenen Norm zu erfüllen. Der Nazi wird in seiner Funktion als von der Gesellschaft aussätzig angesehen. Ist jedoch zeitgleich als denkende, handelnde und kommunizierende Person vollends in eben jenes Kollektiv integriert. Beim Begriff der No-Go-Area, werden Regionen danach bewertet ob jeneR, welcheR optisch als Nicht-DeutscheR auszumachen ist, diese auf gar keinen Fall betreten sollte, oder eben das „auf gar keinen fall“ nicht gegeben ist.
In Regionen in denen Rassismus und rechtsextreme Gewalt Alltag sind, Neonazis und rechte Skinheads von der Gesellschaft mehr als nur toleriert werden, weil sie eben in der Mitte jener Gesellschaft gar integriert sind, scheint eine solche zweistufige Kategorisierung mehr als überflüssig. Das mediale Schema der No-Go-Area kann nur selten vollends befriedigt werden. Hier zählen erst lebensbedrohliche Verletzungen, in absoluter Kontinuität als ausschlaggebend.
Doch Rassismus und Neonazismus brauchen keine Toten. Ebenso wenig wie Ausgrenzung, verbale Angriffe und die Abwertung des Lebens anderer, das Auftreten militanter Neonazis oder rechter Skinheads voraussetzen. Hier wird durch andere TäterInnen, sei es der deutsche Rechtsstaat oder die deutsche Gesellschaft, eine latente Bedrohungssituation der gleichen Opfer geschaffen. Wer in Deutschland Asyl sucht, muss damit rechnen dass er von Neonazis zusammen geschlagen, von der Gesellschaft als Nutznießer ausgeschlossen und letztendlich vom deutschen Staat abgeschoben wird. Speziell im Osten Deutschlands ist eine inhaltliche Nähe zwischen großen Teilen der Gesellschaft und der extremen Rechten zu beobachten. Die Primärziele sind ähnlich. Schlagworte, wie Arbeitsplätze, Sicherheit oder der Schutz der deutschen Jugend vor Drogen und Kriminalität zeigen ihre Wirkung. 2006 nicht anders als bei den Pogromen 15 Jahre zuvor. Hier stand die Basis der deutschen Gesellschaft neben dem Brandsatzwerfenden Neonazi. Ein vor Euphorie strotzender Patriotismus im Rahmen nationaler Großereignisse, sei es zur Fußballweltmeisterschaft 2006 oder zum alljährlich zelebrierten „Tag der Deutschen Einheit“, lassen dann auch die letzten scheinbar unbegründeten Ressentiments gegenüber dem Jugendlichen der doch auch nur das Beste für Deutschland will, vergessen. Und solange das Wort „Nazi“ nicht fällt, kann dies noch als Tugend der nötigen Toleranz verkauft werden.
Auch wenn heute nicht offen geklatscht wird, ist die subtile Annäherung deutlich zu erkennen. Sind die Bereiche der Adaption auch nicht zwingend politischer Natur, so setzt die Annäherung jedoch mindestens eine gewisse Akzeptanz der rechtsextremen Ansichten voraus. Wer gegen Rassismus oder Neonazis ist, wird sich nicht mit diesen in Vereinen organisieren oder mit diesen die eigene Freizeit verbringen. Dennoch sind die unzähligen Thüringer Feuerwehren, Sportvereine und Fußballclubs der eher ländlichen Regionen, Sammelbecken einer enormen Anzahl rechter Skinheads und gewaltbereiter Neonazis.
Richtig scheint in diesem Fall nur die Schlussfolgerung, wer nicht gegen Neofaschismus ist, wirkt dafür. Und wer schweigt macht sich schuldig.
Ganze Jugendclubs und Kneipen sind hier rechts besetzt und bieten somit gute Möglichkeiten zur Bildung lokaler kultureller Hegemonien. Welche Voraussetzungen könnten für eine Politisierung der Unpolitisierten besser sein als das Vereinnahmen der urdeutschen Vereinsmeierei in Regionen in denen der Stammverein neben Beruf und Freundeskollektiv einen Eckpfeiler der Persönlichkeit ausmacht?
Brennpunkt im kalten Herz
Zella-Mehlis nimmt hierbei eine beispielhafte Rolle für viele Städte und Regionen Deutschlands, speziell jedoch Ostdeutschlands oder Thüringens, ein.
So finden sich bei der „Freiwilligen Feuerwehr Zella-Mehlis“ nicht nur die normal-deutsch-rassistischen Umgangstöne vom „Kanaken“ für MigrantInnen bis zur Plastiktüte als „Türkenkoffer“, sondern eben auch Personen die sich offen zu ihrer rassistischen Haltung bekennen. Das aktive Mitglied der Zella-Mehliser Feuerwehr, Ronny Gustafson ist auf der Homepage der „Kameradschaft Zella-Mehlis“ als Kontaktperson angegeben, dort wo kurz vorher noch der NPD-Kreisvorsitzende Tommy Frenck als Verantwortlicher präsentiert wurde. Doch auch der Rest der trinkfesten Kameradschaft besucht gerne die Feiern der Ortswehr.
Die Fußballspieler des Turn- und Sportverein (TSV) Zella-Mehlis wollten noch Ende 2004 eine U-Bahn vom Platz ihrer Gegner bis nach Auschwitz bauen so der O-Ton, oder das Problem, billiger noch, gleich in der entstehenden Müllverbrennungsanlage erledigen.
Auch dem MCC dem „Mehlser Carnevals Club“ sollte schon aufgefallen sein, dass sich in deren Reihen Personen befinden, welche ebenfalls in der sich politisch gebenden, aber eigentlich doch eher durch Gewalttaten auffallenden, Kameradschaft organisiert sind.
Der politische oder eben scheinheilig propagierte unpolitische Einklang des Zella-Mehliser Vereinsleben steht somit im Zenit seiner Entwicklung. Rechtsradikale Tendenzen werden hingenommen, oft unter dem Vorwand des schwammigen Begriffs der Toleranz. Der Toleranz dessen was eigentlich nicht tolerierbar sein sollte.
Auf dem Sportplatz von Zella-Mehlis, gehören die lokalen Neonazis mehr als nur gelegentlich zu den Gästen. Seit vielen Jahren schon sind nicht nur junge Naziskins, sondern ebenfalls regionale Kader wie Kurt Hoppe unter den Gästen gerne gesehen. Die WSG(Wohnsportgemeinschaft), in welcher Nationalbewusstsein selbstverständlich zum guten Ton gehört, bietet so die besten Voraussetzungen für ein Annähern der Generationen, sowie Kontaktpunkte zu den enorm großen unpolitisierten Teilen der Gesellschaft. Elitebewusstsein, einfache Freund-Feind-Schemen und das Fehlen eines emanzipatorisch-pädagogischen Gegengewichts sind optimale Bedingungen für rechte Populisten wie Hoppe. Unter diesen zur Normalität gewordenen Rahmenbedingungen fällt es schwer, sich den Einflüssen von rechts zu entziehen. Doch ausschlaggebend ist die allgemeine Duldung von rechten Ideen oder Personen welche diese verkörpern, ganz nach dem Motto: „Jeder soll machen was er für richtig hält.“ So hat es hier die Kameradschaft Zella-Mehlis geschafft fast grenzenlos mit dem Verein zu verschmelzen. Sei es direkt im Verein oder bei den WSG-Ultras.
Das lokale Sportplatzgelände, zentraler sozialer Punkt vieler Kleinstädte, ist somit Treffpunkt Rechter aller Couleur. Vom Deutsche Partei(DP)- Vorsitzenden Kurt Hoppe über alte Schlägernazis und rassistische Hooligans bis hin zu den neuen und gut organisierten Nazis der Kameradschaft Zella-Mehlis. In den letzten Jahren hat sich ein rechter Konsens in der örtlichen Gesellschaft etabliert, welcher es der rechten Szene, erleichtert eine offensive Jugend- und Alltagskultur zu generieren. Nicht zuletzt durch die Wahlergebnisse wird dies bestätigt. Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) konnte ihre Stimmen auf das vierfache im Vergleich zur vorausgegangenen Wahl erhöhen. Und dies auch noch mit dem Zella-Mehliser Kurt Hoppe als Direktkandidat für das rechtsextreme Wahlbündnis unter Führung der NPD.
Die Allgemeine Öffnung der deutschen Naziszene für ent- und unpolitisierte Jugendliche über Musik und Kleidung rundet die lokalen Geschehnisse ab.
Die WSG und deren WebseitengestalterInnen präsentieren problemlos ihre Fans, SpielerInnen und sogar TrainerInnen mit Shirts der Kameradschaft auf ihrer Website. Auf zahlreichen Bildern wird dokumentiert wie sehr doch alle FreundIn und KameradIn miteinander sind. Der Kreis der Beziehungen von Kameradschaft und Verein schließt sich bis zum Trainerstatus. Drei Kameradschaftsmitglieder haben mittlerweile diesen Status und dürfen auf die örtliche Jugend losgelassen werden.
Die seit dem 14. November 2003 existierende Kameradschaft selbst hat eine klar neonazistische Ausrichtung. Mitbegründet von einschlägig bekannten Altnazis wie Kurt Hoppe oder Hans-Peter Conrad aus Zella-Mehlis wird sie maßgeblich von Stefan Kolb vorangetrieben und organisatorisch ausgebaut. Wird auf der Homepage noch großspurig soziales Engagement, wie die Unterstützung des Umzugs des Tierheims Zella-Mehlis propagiert, fällt für die Kameradschaft meist dennoch nur „schlagende politische Arbeit“ an.
In das allgemeine Verbotsgerede möchten wir jedoch nicht einstimmen. Statt mit Verboten, welche rechte Organisationen nur scheinbar auslöschen und für ein augenscheinlich „demokratisches“ Deutschland sorgen, muss kontinuierlich, reflektiert und inhaltlich gegen alle Tendenzen rechter Subkultur und menschenverachtender Ideologie vorgegangen werden.
Deshalb und um einen deutlichen Gegenpol gegen den deutschen Einheitsbrei zu setzen, rufen wir zu einer antifaschistischen Demonstration am 26. August 2006 durch Zella-Mehlis auf.
Nazis outen, die Gesellschaft outen!
Den rechten Alltag bekämpfen!
Gegen jeden Nationalismus!
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